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Die folgenden 7 Erkenntnisse zeigen, wie junge Menschen Mobilität heute erleben. Ihre Realität ist geprägt von Pragmatismus, Skepsis gegenüber der Umsetzung und schwindendem Vertrauen. Gleichzeitig ist die Gen Z offen für Veränderung und erwartet konkrete Lösungen, die im Alltag funktionieren. Diese Einblicke bilden die Grundlage für die Impulse, wie Mobilitätspolitik besser an die Lebenswelt junger Menschen anschließen kann.
Die junge Generation zeigt sich offen für neue Wege, doch sie braucht Angebote, die ihre Perspektiven ernst nehmen, ihre Teilhabe ermöglichen und verlorenes Vertrauen zurückgewinnen.

Die Gen Z wählt Verkehrsmittel vor allem nach praktischen Kriterien wie Schnelligkeit (52 %), Zuverlässigkeit (48 %) und Kosten (44 %). Komfort und Sicherheit sind zweitrangig, Umweltfreundlichkeit (12 %) spielt kaum eine Rolle.

Die Gen Z legt großen Wert auf Wahlfreiheit: 61 % wünschen sich die Möglichkeit, flexibel zwischen verschiedenen Verkehrsmitteln zu wechseln. Gleichzeitig zeigt sich Unzufriedenheit mit der aktuellen Situation – nur 10 % sind mit dem Status quo zufrieden.

Die Gen Z ist offen für technologische Innovationen, bewertet deren Alltagstauglichkeit jedoch kritisch. Zwar befürworten 43 % E-Fahrzeuge, 36 % Flugtaxis und 31 % autonomes Fahren, doch gleichzeitig glaubt die große Mehrheit (76 %) nicht daran, dass solche Konzepte jemals Realität werden.

Für die Gen Z ist das Auto funktional wichtig und emotional stark aufgeladen: Der Führerschein bedeutet Freiheit (80 %) und Erwachsensein (67 %), 76 % haben eine emotionale Bindung zum Auto. Dennoch wird es meist multimodal genutzt und bleibt Teil eines vielfältigen Mobilitätsportfolios.

Für die Gen Z ist Mobilität eine zentrale Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe, sie misst dem Thema deutlich mehr Bedeutung bei als andere Generationen (28 % vs. 19 %), ist jedoch besonders unzufrieden mit dem Status quo (nur 10 % zufrieden) und fordert vor allem einen besseren, zuverlässigeren ÖPNV (40 %).

Junge Menschen befürworten Nachhaltigkeit moralisch, handeln aber pragmatisch: 53 % fühlen sich verpflichtet, umweltfreundlich zu sein, doch nur 12 % berücksichtigen dies bei der Verkehrsmittelwahl – funktionale Kriterien wie Sicherheit dominieren.

Die Zustimmung zu einer nachhaltigen Verkehrswelt und zu Einschränkungen des Autoverkehrs unterscheidet sich stark nach Milieu: Postmaterielle sind mit 73 % klar dafür, während die Adaptiv-Pragmatische Mitte (40 %) und das Prekäre Milieu (30 %) deutlich skeptischer sind.

Wer Mobilität für morgen gestalten will, muss die Lebensrealitäten junger Menschen heute verstehen. Es reicht nicht, über ihre Bedürfnisse zu sprechen – wir müssen sie aktiv einbeziehen, ihre Perspektiven ernst nehmen und gemeinsam Lösungen entwickeln, die im Alltag funktionieren.
Vorständin der ADAC Stiftung
Mobilität soll gerecht, nachhaltig und alltagstauglich sein. Doch dafür braucht es mehr als Pilotprojekte oder Appelle zur Verhaltensänderung. Die ADAC Stiftung bündelt zentrale Erkenntnisse und zeigt, wie strukturelle Lösungen aussehen können, die Teilhabe ermöglichen und junge Menschen im Alltag wirklich erreichen.
Die Impulse richten sich an alle, die Mobilität mitgestalten – von Politik und Verwaltung bis zur Zivilgesellschaft. Sie gliedern sich in drei Themenfelder: Alltagstauglichkeit, Wahlfreiheit und Nachhaltigkeit. Innerhalb dieser Cluster werden konkrete Maßnahmen skizziert, die bestehende Ansätze weiterentwickeln und an den Lebensrealitäten junger Menschen anknüpfen. Ziel ist es, punktuelle Initiativen zu verstetigen und in die Fläche zu bringen.
Wer Mobilität zukunftsfähig gestalten und Vertrauen in politische Handlungsfähigkeit zurückgewinnen will, sollte sich konsequent an den funktionalen Anforderungen junger Menschen orientieren. Angebote müssen intuitiv nutzbar, verlässlich verfügbar und kontextsensibel anschlussfähig sein.
In vielen Regionen fehlt es bislang an flächendeckender und alltagspraktischer Verankerung. Bestehende Lösungen wie Sharing-Systeme, Rufbusse oder multimodale Schnittstellen bleiben oft auf kleinräumige Pilotprojekte beschränkt, sind schwer zugänglich oder nicht durchgängig verlässlich. In ländlichen Räumen fehlen zentrale Mobilitätspunkte, digitale Orientierungshilfen und regelmäßige Taktung. Auch in urbanen Räumen sind Angebote nicht immer sinnvoll kombinierbar oder emotional anschlussfähig.
Um diese Lücken zu schließen, braucht es integrierte Plattformen, die Verkehrsträger bündeln und deren Nutzung vereinfachen – etwa durch Mobility-as-a-Service mit Echtzeitinformationen, Buchung und Bezahlung in einer Anwendung. Zukunftsorientiert könnten automatisierte Kleinbusse oder autonome Shuttles dort eingesetzt werden, wo klassische Angebote an ihre Grenzen stoßen.
Neue Angebote sollten großräumig sichtbar und erfahrbar sein. Mobile Ausstellungen, Pop-up-Stationen oder Plattformen für Best Practices schaffen Transparenz, stärken Vertrauen und ermöglichen Beteiligung. Ergänzend könnten lokale Mobility Co-Labs entstehen, in denen gemeinschaftlich organisierte Mobilitätslösungen entwickelt werden – passgenau für die Bedürfnisse vor Ort und mit aktiver Beteiligung junger Menschen.
Ein weiterer Ansatz sind großflächige Reallabore mit klarer Verstetigungsperspektive. Sie ermöglichen es, neue Mobilitätsformen unter Alltagsbedingungen zu testen und weiterzuentwickeln – gemeinsam mit jungen Menschen. Dabei wird nicht nur technische Alltagstauglichkeit geprüft, sondern auch die Passung zu jugendlichen Routinen und Erwartungen. So werden Reallabore zu Innovationsräumen und Beteiligungsformaten zugleich.
Mobilität braucht mehr als neue Angebote. Echte Wahlfreiheit entsteht durch integrierte Systeme, digitale Zugänglichkeit und flexible Tarife. Derzeit fehlt vielerorts eine Infrastruktur, die verschiedene Angebote sinnvoll miteinander verknüpft. Förderinstrumente greifen oft nicht ineinander, digitale Anwendungen sind selten auf junge Zielgruppen zugeschnitten, und Tarifgrenzen erschweren die Nutzung.
Digitale Plattformen mit zielgruppenspezifischen Varianten und flexiblen Abrechnungsmodellen können spontane, bedarfsgerechte Entscheidungen ermöglichen. Erste Ansätze existieren, flächendeckende Umsetzungen stehen jedoch aus.
Bestimmte Milieus eignen sich als Testfelder für neue Konzepte wie Reallabore oder multimodale Plattformen. Gleichzeitig braucht es strukturelle Verbesserungen, die für alle greifen – etwa verlässlichen ÖPNV und einfache Buchungssysteme. Wahlfreiheit entsteht dort, wo Mobilität verfügbar, zugänglich und verständlich ist.
Nachhaltige Mobilität muss im Alltag erfahrbar sein. Statt abstrakter Appelle braucht es Maßnahmen, die klimafreundliches Verhalten erleichtern, belohnen und emotional aufladen. Gerade junge Menschen benötigen konkrete Anreize, positive Erlebnisse und eine Kommunikation, die Nachhaltigkeit als attraktiven Möglichkeitsraum vermittelt.
Digitale Anreizsysteme mit Punktesammeln, Gamification und sozialem Vergleich können klimafreundliche Entscheidungen fördern – besonders in Verbindung mit Schulen und Bildungsangeboten. Erste Anwendungen zeigen bereits Wirkung.
Ergänzend braucht es jugendaffines Storytelling auf Plattformen wie Instagram oder TikTok, das nachhaltige Mobilitätsformen sichtbar macht und neue Routinen anstößt. Auch Bildung spielt eine zentrale Rolle: Nachhaltigkeit sollte frühzeitig in schulische Curricula integriert werden, um eine Mobilitätskultur zu fördern, die ökologische, soziale und gesundheitliche Aspekte verbindet.
Zur Studie „Zwischen Frust und Freiheit: Mobilität junger Menschen“ bieten wir eine Grundlagenstudie, eine detaillierte Vertiefungsstudie sowie ein Policy Paper an. Das Policy Paper fasst die wichtigsten Ergebnisse und Empfehlungen in Kurzform zusammen. Ergänzt wird das Angebot durch Pressegrafiken.
Zu weiteren Pressematerialien inkl. Grafiken gelangen Sie hier.

Über die Studie
Die ADAC Stiftung untersucht, wie junge Menschen zwischen 16 und 27 Jahren Mobilität erleben. Im Mittelpunkt stehen Einstellungen, Verhalten und Zukunftsvorstellungen dieser Generation sowie Fragen zu Teilhabe, Verkehrsmittelwahl, Barrieren und Innovation.
Zur Abbildung der Vielfalt innerhalb der Gen Z wurden neben klassischen Merkmalen auch unterschiedliche Lebenswelten berücksichtigt. Das Modell der Sinus-Milieus hilft dabei, Werte und Lebensstile systematisch einzuordnen.
Die Studie beruht auf einem multimethodischen Ansatz. Eine repräsentative Online-Befragung mit 3.615 Personen, darunter 2.006 aus der Zielgruppe, wurde durch Fokusgruppen und eine Online-Community ergänzt. Junge Menschen waren aktiv an der Entwicklung des Fragebogens beteiligt. Der Vergleich mit älteren Generationen ermöglicht eine differenzierte Betrachtung jugendlicher Perspektiven.