Zum Hauptinhalt springen
Eine Frau führt eine Reanimation bei einem älteren Mann durch, der regungslos auf einer Wiese in einem Park liegt. Im Hintergrund eilt ein Mann mit einem Smartphone in der Hand herbei.

Reanimation: Menschen mehrheitlich bereit im Notfall zu helfen, es fehlt aber an Handlungssicherheit

Zum 15. Mal findet vom 21. bis 27. September die Woche der Wiederbelebung statt. Fachorganisationen der Notfallmedizin wollen mit der Aktionswoche Ängste abbauen und Menschen dazu ermutigen, bei einem plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillstand einzugreifen. Im Rahmen des „Monitor Reanimation“ der ADAC Stiftung zeigt eine aktuelle repräsentative Umfrage:

Die Menschen in Deutschland sind grundsätzlich bereit, im Notfall zu helfen und zu reanimieren. Gleichzeitig fehlt vielen die notwendige Handlungssicherheit.

Jährlich erleiden in Deutschland rund 130.000 Menschen außerhalb einer Klinik einen plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillstand. Bis der Rettungsdienst eintrifft, sind häufig Angehörige, Freunde oder Nachbarn gefragt. Ihre Wiederbelebungsmaßnahmen können Leben retten und das Risiko schwerer Folgeschäden reduzieren.

Direkt zur Pressemitteilung

Direkt zu den Grafiken „Reanimationskenntnisse in der Bevölkerung“

Telefonische Anleitung zur Reanimation kann Hemmschwellen abbauen

Knapp zwei Drittel der Menschen in Deutschland würden bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand direkt mit einer Reanimation beginnen. Viele Befragte äußern jedoch die Sorge, durch falsche Maßnahmen dem Menschen in Not zusätzlich zu schaden. Genau hier könnte die telefonische Anleitung durch die Rettungsleitstelle helfen. Bislang wird diese Unterstützung in Deutschland allerdings noch nicht flächendeckend angeboten. Der Grund: heterogene gesetzliche Rahmenbedingungen.

Welches Potenzial in der Telefonreanimation steckt, zeigt die aktuelle Umfrage deutlich: Mit der Aussicht auf telefonische Anleitung durch die Leitstelle steigt die Reanimationsbereitschaft der Befragten von 64 auf 83 Prozent.

Bereitschaft zur Auffrischung von Erste-Hilfe-Kenntnissen steigt

Welchen immensen Einfluss eine schnelle Wiederbelebung auf das Ausmaß möglicher Folgeschäden haben kann, scheint den Menschen durchaus bewusst zu sein. Das zeigt sich auch an der wachsenden Bereitschaft, Erste Hilfe zu lernen oder vorhandene Kenntnisse aufzufrischen:

  • 44 Prozent der Befragten möchten erneut einen Erste-Hilfe-Kurs besuchen.
  • Drei Viertel von ihnen planen dies innerhalb des kommenden Jahres.
  • Der Anteil der Befragten, die dazu „sehr gerne“ bereit sind, stieg gegenüber dem Vorjahr von 20 auf 27 Prozent.
Porträtbild Christina Tillmann

Die Ergebnisse machen Mut. Immer mehr Menschen in Deutschland trauen sich zu, im Notfall zu reanimieren. Immer mehr wollen ihre Kenntnisse auffrischen. Wir setzen uns dafür ein, möglichst viele Menschen handlungssicher zu machen, damit Überleben nicht vom Zufall abhängt.

Vorständin der ADAC Stiftung

Handlungsbedarf bei den über 60-Jährigen

Menschen über 60 Jahre gelten statistisch als besonders gefährdet, einen Herz-Kreislauf-Stillstand zu erleiden. Gleichzeitig kommen sie häufig selbst in die Rolle potenzieller Ersthelfender, wenn Partner, Verwandte oder Freunde betroffen sind.

Die Umfrage zeigt hier deutlichen Handlungsbedarf: Nur 27 Prozent der über 60-Jährigen haben innerhalb der vergangenen zehn Jahre an einem Reanimationstraining teilgenommen. In den letzten zwei Jahren waren es weniger als zehn Prozent. Lediglich 23 Prozent dieser Altersgruppe geben an zu wissen, wann eine Wiederbelebung erforderlich ist.

Ersthelfer-Apps können wertvolle Zeit gewinnen

Leben retten können auch app-basierte Ersthelfer-Netzwerke. Geht bei einer Leitstelle ein Notruf ein, wird nicht nur der Rettungsdienst alarmiert. Gleichzeitig werden über eine App registrierte Ersthelfende benachrichtigt, die sich in unmittelbarer Nähe des Einsatzortes befinden.

Nach Angaben der Betreiber dieser Alarmierungssysteme gelingt es im Durchschnitt, innerhalb von vier Minuten eine Ersthelferin oder einen Ersthelfer an den Notfallort zu bringen. Damit könnte die kritische Zeitspanne zwischen Herz-Kreislauf-Stillstand und Beginn der Wiederbelebung deutlich verkürzt werden. Auf professionelle Rettungskräfte warten Patientinnen und Patienten durchschnittlich sieben Minuten, im ländlichen Raum teilweise deutlich länger.

Trotz ihres Potenzials sind Ersthelfer-Netzwerke bislang noch wenig bekannt. Nicht einmal jeder fünfte Befragte kennt das Konzept. Nach einer Erläuterung der Funktionsweise können sich jedoch 23 Prozent vorstellen, sich selbst in einem solchen Netzwerk registrieren zu lassen. Das Potenzial der Ersthelfer-Apps scheint damit deutlich höher zu sein als die derzeit rund 185.000 Registrierungen bundesweit vermuten lassen.

Reanimationsunterricht: Wiederbelebung gehört für viele in die Schule

Auch die Verankerung von Wiederbelebung im Schulunterricht findet breite Zustimmung: 82 Prozent der Befragten befürworten Reanimation als festen Bestandteil des Unterrichts ab Klasse 7.

Bislang haben jedoch nur sechs Bundesländer, darunter Bayern und Nordrhein-Westfalen, Wiederbelebung verpflichtend in den Lehrplan der Sekundarstufe I aufgenommen. Die ADAC Stiftung setzt sich dafür ein, dass Schülerinnen und Schüler nicht nur theoretisch, sondern praxisnah und regelmäßig üben, wie Wiederbelebungsmaßnahmen funktionieren. Auf diese Weise wächst nicht nur Wissen, sondern auch Vertrauen in die eigene Handlungskompetenz im Notfall. Erfahren Sie mehr zum

Ein Lehrer kniet in der Mitte eines Klassenzimmers. Vor ihm liegt eine Reanimationspuppe. Er schult Kinder, die im Kreis um ihn herum auf Stühlen sitzen, im Reanimationsunterricht.

Grafiken zu Reanimationskenntnissen aus der Bevölkerungsumfrage 2026

Infografik zur Zustimmung der Bevölkerung zu Reanimationsunterricht an weiterführenden Schulen. 82 Prozent der Befragten befürworten die Einführung von Reanimationsunterricht.
Infografik zu Herz-Kreislauf-Stillständen außerhalb von Kliniken in Deutschland. Jährlich sind etwa 130.000 Menschen betroffen, 65.000 werden durch den Rettungsdienst reanimiert und 7.150 Personen überleben.
Infografik zur Bereitschaft, sich als App-Helfende zu registrieren. 11,2 Millionen Menschen wären dazu bereit, benötigt werden 3,5 Millionen. Derzeit sind rund 185.000 Personen registriert. Gegenüber dem Vorjahr ist die Zahl der registrierten App-Helfenden um 37.000 gestiegen.
Karte Deutschlands mit Landkreisen und kreisfreien Städten, in denen smartphonebasierte Ersthelfer-Alarmierung bereits eingeführt wurde. Im Juli 2026 verfügen 261 von 401 Landkreisen über ein solches System. Gegenüber dem Vorjahr kamen 58 weitere Landkreise hinzu.
Balkendiagramme zum Vergleich der Reanimationskenntnisse von Über-60-Jährigen und 16- bis 29-Jährigen. Ältere Menschen haben deutlich seltener ein Reanimationstraining absolviert und schätzen ihre Kenntnisse geringer ein.
Infografik zur Bereitschaft, Erste-Hilfe-Kenntnisse aufzufrischen. 44 Prozent der Befragten möchten einen Erste-Hilfe-Kurs besuchen, davon 72 Prozent bereits innerhalb des nächsten Jahres.
Infografik zur Erfahrung mit Wiederbelebungsmaßnahmen. Etwa jede 15. Person ohne medizinische Ausbildung war bereits an einer Reanimation beteiligt.

Bevölkerungsumfrage: Update im Monitor Reanimation der ADAC Stiftung

Die aktuellen Ergebnisse der Bevölkerungsumfrage ergänzen den Monitor Reanimation der ADAC Stiftung. Die 2025 veröffentlichte Studie untersucht neben Einstellungen, Wissen und Handlungssicherheit der Bevölkerung weitere wichtige Faktoren für eine erfolgreiche Wiederbelebung in Deutschland, darunter Telefonreanimation in Leitstellen, Ersthelfer-Netzwerke und weitere Maßnahmen zur Stärkung der Rettungskette.

So einfach ist Reanimation für Laien

Die Grafik zeigt und beschreibt die 3 Schritte: 1. Prüfen: Eigene Sicherheit beachten, Bewusstsein prüfen; 2. Rufen: 112 anrufen – die Leitstelle unterstützt bei der Atemprüfung; 3. Drücken: Mit beiden Händen in der Mitte des Brustkorbs drücken. 100–120 Mal pro Minute, 5–6 cm tief Nicht aufhören, bis Hilfe eintrifft.

Die Leitstelle unterstützt auch beim Einsatz eines AED und kann hierzu anleiten, wenn ein Gerät vor Ort oder bekannt ist.