Zum Hauptinhalt springen
Frau reanimiert leblosen Mann im Park

Die Bevölkerung macht den Unterschied: Leben retten kann jeder

Die ersten drei bis fünf Minuten nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand sind entscheidend für die Überlebenschancen. Jede Laienreanimation kann Leben retten. Genau deshalb betonen die aktualisierten Reanimationsleitlinien des Deutschen Rates für Wiederbelebung (GRC) ausdrücklich die zentrale Rolle der Bevölkerung bei der Wiederbelebung.

Diese Einschätzung deckt sich mit den Ergebnissen unseres Monitors Reanimation: Laienreanimation wirkt – und es besteht weiterhin großer Handlungsbedarf. Derzeit wird in Deutschland nur in rund 55 % der Fälle vor Eintreffen des Rettungsdienstes mit Wiederbelebungsmaßnahmen begonnen. Lediglich 26 % der Bevölkerung verfügen über aktuelle Reanimationskenntnisse, und jeder dritte Mensch traut sich eine Reanimation nicht zu.

Vereinfachungen für Ersthelfende in den aktualisierten Reanimationsleitlinien (GRC)

Ein zentrales Ziel der aktualisierten Leitlinien ist es, Hemmungen abzubauen und den schnellen Beginn der Reanimation zu fördern. Für Laien wurden die Abläufe bewusst vereinfacht:

  • Fokus auf den schnellstmöglichen Beginn der Thorax-Kompression (Herzdruckmassage)
  • Atemprüfung unter Anleitung der Leitstelle (112)
  • Kein zwingendes Entkleiden des Oberkörpers
  • Kein zwingendes Umlagern auf einen harten Untergrund

Diese Vereinfachungen haben in sozialen Medien teils zu Diskussionen geführt. Wichtig ist dabei eine fachlich korrekte Einordnung.

Situationsabhängig handeln – das ist entscheidend

Die Leitlinien richten sich ausdrücklich auch an Laien. Sie sollen helfen, ohne Zeitverlust zu handeln:

  • Wer weiß, wie eine Atemprüfung korrekt durchgeführt wird, kann diese selbstverständlich durchführen.
  • Eine Reanimation auf hartem Untergrund ist grundsätzlich sinnvoll, da sie die Wirksamkeit der Herzdruckmassage erhöht.
  • Wenn das Umlagern jedoch viel Zeit oder Kraft kostet, sollte nicht gezögert werden:
    In diesem Fall ist es besser, auf der vorhandenen (auch weichen) Unterlage zu beginnen und die Herzdruckmassage entsprechend kräftiger durchzuführen, um den Untergrund auszugleichen.
  • Das Entkleiden des Oberkörpers ist grundsätzlich sinnvoll, insbesondere für die Arbeit des Rettungsdienstes oder die frühe Anlage eines AED. Es sollte aber kein Hindernis darstellen: Laien sollen lieber mit Kleidung reanimieren, als aufgrund von Unsicherheiten nicht zu handeln.

Entscheidend ist immer: Handeln statt zögern. Jede Verzögerung verschlechtert die Überlebenschancen.

So einfach ist Reanimation für Laien

Die Grafik zeigt udn beschreibt die 3 Schritte: 1. Prüfen: Eigene Sicherheit beachten, Bewusstsein prüfen; 2. Rufen: 112 anrufen – die Leitstelle unterstützt bei der Atemprüfung; 3. Drücken: Mit beiden Händen in der Mitte des Brustkorbs drücken. 100–120 Mal pro Minute, 5–6 cm tief Nicht aufhören, bis Hilfe eintrifft.

Die Leitstelle unterstützt auch beim Einsatz eines AED und kann hierzu anleiten, wenn ein Gerät vor Ort oder bekannt ist.

Wo Deutschland heute steht – Erkenntnisse aus dem Monitor Reanimation

Unser Monitor Reanimation 2025 gibt ein detailliertes Lagebild zur Situation in Deutschland – und macht deutlich, wo Fortschritte gelungen sind und wo noch Handlungsbedarf besteht:

  • Nur 26 % der Menschen haben aktuelle Reanimationskenntnisse,

  • 37 % würden sich eine Reanimation nicht zutrauen,

  • 80 % befürworten Reanimationsunterricht an weiterführenden Schulen, doch er ist bislang in nur wenigen Bundesländern verbindlich umgesetzt,

  • Ersthelfer-Apps decken bislang rund 55 % der Bevölkerung ab, und die Zahl registrierter Ersthelfender stieg kürzlich von 100.000 auf 148.000.

Diese Ergebnisse zeigen: Es gibt großes Potential zur Verbesserung.

Reanimationsunterricht an weiterführenden Schulen – Kompetenz früh verankern

Ein zentraler Baustein zur Stärkung der Wiederbelebungskompetenz ist der Reanimationsunterricht an weiterführenden Schulen. Daher setzen wir uns dafür ein, dass Schülerinnen und Schüler nicht nur theoretisch, sondern praxisnah und regelmäßig üben, wie Wiederbelebungsmaßnahmen funktionieren. Auf diese Weise wächst nicht nur Wissen, sondern auch Vertrauen in die eigene Handlungskompetenz im Notfall.

Mehr erfahren
Ein Lehrer kniet in der Mitte eines Klassenzimmers. Vor ihm liegt eine Reanimationspuppe. Er schult Kinder, die im Kreis um ihn herum auf Stühlen sitzen, im Reanimationsunterricht.

Die Reanimationsleitlinien des GRC

Die Reanimationsleitlinien des Deutschen Rates für Wiederbelebung (GRC) basieren auf den Empfehlungen des European Resuscitation Council (ERC) und wurden für den nationalen Kontext angepasst. Sie sind evidenzbasiert und entsprechen dem aktuellen Stand der Wissenschaft. Zudem sind sie bundesweit anerkannt und fachlich abgestimmt und bieten eine verlässliche Orientierung für Laien, Ersthelfende und medizinisches Fachpersonal.

Damit schaffen sie eine gemeinsame Grundlage für lebensrettendes Handeln und sind zentral für einheitliche Standards, Schulungskonzepte und Handlungssicherheit. Die Leitlinien enthalten Empfehlungen, die mehr Menschen befähigen, im Notfall zu handeln. Die Bedeutung dessen belegen die Ergebnisse unseres Monitors Reanimation.